Maggia • TI

Kastanien, Steintreppen und Rustici

Unendlich viele Steinplatten wurden sorgfältig zu Treppen, Wegen und Stegen aufgeschichtet, damit das früher wohl zahlreiche Vieh den Weg zu den hintersten Alpweiden im Valle del Salto fand. Der grosse Aufwand im Wegbau zeigt, wie wichtig die Alpen früher waren, um das karge Dasein und das Überleben der Bergbewohner zu sichern. Heute sind es höchstens noch ein paar Geissen, die sich in das Tal verirren – und natürlich die Wandernden, welche auf der ganzen Rundtour tief in altes Tessiner Kulturgut eintauchen können. Bei der Capela de la Pioda gabelt sich der Weg: Die rechte (bzw. orografisch linke) Talseite ist auch im Sommer schattig und kühl, weshalb sie sich für den Aufstieg bestens eignet. Der von uralten Kastanienbäumen gesäumte Weg führt immer wieder an Alphütten vorbei – die einen halb zerfallen, die anderen wunderbar hergerichtet und heute als Rustici bzw. als Ferienhäuschen genutzt. Dank dieser Nutzung bleiben einzelne Lichtungen erhalten, welche für die Artenvielfalt förderlich sind und schliesslich zum Reiz dieser Wanderung gehören. Zuhinterst im Tal, dort wo bei einem kleinen Stauwehr der Riale del Salto überquert wird, dann die grosse Überraschung: Zwei natürliche Schwimmbecken, gefüllt mit kristallklarem Wasser laden zum erfrischenden Bade ein. Nach dieser Erquickung fällt der letzte Aufstieg zum höchsten Punkt der Wanderung leicht – jetzt geht es auf der Sonnenseite des Tales nur noch hinunter. Kurz vor der Capela de la Pioda führt eine alte und kunstvoll errichtete Steinbrücke in schwindelerregender Höhe wieder auf die andere Seite des Baches. Damit ist die abwechslungsreiche Rundtour beendet, und was beim Aufstieg versäumt wurde, wird nun nachgeholt: Das Zählen der Treppenstufen welche durch den Rebberg zurück nach Maggia führen...

Information

Erreichbar ist Maggia, Centro mit dem Bus von Locarno oder Ponte Brolla

Wanderung Nr. 1505

Publiziert 2019 ‒ Präsentiert von Schweizer Wanderwege

Franz Ulrich

Wanderroute

Maggia
0:00
0:00
Cappella della Pioda
0:31
0:31
Giovaa
1:28
0:57
Pt. 746
1:56
0:28
Ceir
2:34
0:38
Braiaa
3:12
0:38
Capela de la Pioda
3:26
0:14
Maggia
3:47
0:21
Details zu Wegoberfläche und Kategorie auf dem Höhenprofil

Wandervorschläge

Im Herbstwald von Lodano Nr. 1563
Ponte di Lodano • TI

Im Herbstwald von Lodano

Der Wald im Lodanotal war früher mal keiner. Dann wuchs er, wurde aber lange Zeit schonungslos gerodet. Seit fast 50 Jahren wird er nun in Ruhe gelassen, ist heute ein Naturreservat und in Zukunft vielleicht schon bald ein UNESCO-Welterbe. Wer durch den Wald ins Tal hineinwandert, erlebt eine grosse Vielfalt an Bäumen. Und kann im Herbst Kastanien sammeln. Die Rundwanderung beginnt an der Bushaltestelle und führt ins Dörfchen Lodano. Bei der Kirche wird rechts abgebogen Richtung Ronchi mit seinem kleinen Weingut. Bald zeigt der Wegweiser Richtung Solà, der Aufstieg beginnt entlang einer langen Trockensteinmauer. Solche trifft man immer wieder mitten im Wald an - sie wurden gebaut, als das Land hier noch Weide war. Damals wurden sie aus Steinen erstellt, die beim Mähen im Weg gelegen wären, und hinderten das Vieh am Weglaufen. Es geht weiter aufwärts, in Solada d'Zott wartet ein Weiler mit typischen Tessiner Häusern, deren Pergolen im Herbst voller Trauben sind. Beim Aufstieg trifft man immer wieder auf ehemalige Köhlerplätze und auf Spuren von Drähten, die früher ins Tal hinabgespannt waren. An diese Bordions genannten Seile hängten die Arbeiter Astgabeln, daran Baumstämme und liessen beides runtersausen. So rodeten sie bis Mitte des letzten Jahrhunderts für die Holzproduktion riesige Waldflächen. Bei Solà geht es weiter Richtung Canigèe, später Castello. Mächtige Kastanienbäume und Buchen säumen den Weg, der bei Castello die Talseite wechselt und wieder nach Lodano hinunterführt. Kurz davor, bei Predagrossa, verlässt man den markierten Wanderweg nach links und wandert einer Trockensteinmauer entlang wieder in den Wald. Bald trifft man auf einen nachgebauten Köhlermeiler und auf einen Bordion - beide veranschaulichen die Vergangenheit. Bei Scaleta kann man über das Strässchen Richtung Osten den Weg zur Bushaltestelle abkürzen.
Hoch über der Melezza-Schlucht Nr. 1374
Intragna — Camedo • TI

Hoch über der Melezza-Schlucht

«Stell dir vor, du müsstest noch zehn Kilogramm Käse in deinen Rucksack packen!», ruft mein Mitwanderer von hinten. Im anstrengenden Aufstieg von Intragna nach Costa bereuen wir es einen kurzen Moment, auf die Seilbahn verzichtet zu haben. Gerade haben wir den ersten Bach des Tages überquert – insgesamt 13 Mal werden wir dies auf der heutigen Strecke tun. Ein Mühlenrad aus Holz steht am Ufer, unter der schmuck geschwungenen Steinbrücke schiesst das Wasser aus einer Rinne über die abgeschliffenen Steine. Kurz öffnet sich die Aussicht bis auf den Lago Maggiore: Diesen Weg legten früher die Bauern aus dem Tal mit ihren Waren zurück, wenn sie nach Locarno zum Markt wanderten. In Gedanken versunken gehen wir weiter. Der Weg ist mit Handläufen aus Baumstämmen gesichert, am Boden liegen Eicheln neben stachligen Kastanienhülsen. Zwischen Buchen schimmern weisse Birkenstämme hervor, Farn säumt den Wegrand. Die Strecke verläuft mehrheitlich im wohltuenden Schatten, Vögel zwitschern, wir passieren einzelne Rustici mit Trockensteinmauern. Ein Höhepunkt der Wanderung ist Verdasio. Enge Gässchen führen uns direkt ins Dorfzentrum. Mit Blick auf das blaue Zifferblatt der Steinkirche auf gelbem Grund lassen wir uns auf der Terrasse des Ristorante al Pentolino nieder: Donnerstags bis samstags wird man bewirtet, an den übrigen Tagen darf man hier picknicken und kann sich ein Bier aus der Kühltruhe holen. Kurz vor Borgnone bekommen wir Einblick in ein altes Handwerk: Inmitten von Ruinen ist eine alte Mühle aus neuen Stämmen nachgebaut – die Mechanik funktioniert. Hier können Kinder am Bach spielen und alle anderen sich eine verdiente Pause gönnen, bevor sie den letzten Abstieg nach Camedo unter die Füsse nehmen.
Von Loco auf den Salmone Nr. 0801
Loco, Paese — Auressio • TI

Von Loco auf den Salmone

Der Salmone (1560 m) bietet sich für einen «Augenschein» im Gebiet des geplanten Nationalparkes Locarnese förmlich an – er bietet eine tolle Rundsicht und einen der besten Ausblicke über das Maggiadelta zwischen Locarno und Ascona. Der erste Abschnitt vom Ausgangspunkt in Loco bis zum Passo della Garina verläuft streckenweise auf einem schönen, gepflästerten Weg und führt an zwei Kirchen vorbei. Gleich zu Beginn in Loco befindet sich die Kirche San Remigio. Sie wird bereits 1228 zum ersten Mal erwähnt, ist aber wahrscheinlich sogar noch älter. Nach etwa einer halben Stunde erreicht man das Oratorio del Sassello, eine barocke Kapelle, die mitten im Wald steht. Ihr zweijochiges Schiff wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts erbaut. Über die Alp Ighelon führt der Weg auf den Passo della Garina am oberen Ende einer ausgedehnten Lichtung, über die zahlreiche Alphütten und ‑häuser verstreut liegen. Vom Pass führt der Weg durch Wald und einige kleine Geröllfelder auf den Gipfelrücken des Salmone. Das Gipfelkreuz liegt ganz am östlichen Ende des Rückens. Beim Aufstieg auf den Salmone wie auch beim Abstieg nach Auressio ist stets gut auf die rot‑weissen Markierungen an Bäumen und auf Steinen zu achten, da im Herbst eine dicke Laubschicht den Weg verdeckt. Für den Abstieg nach Auressio wandert man vom Gipfelkreuz etwa 300 Meter zurück auf dem Wanderweg und zweigt dann links, südlich, ab (Wegweiser Richtung Vii und Verscio). Von der grossen Alpweide unterhalb des Gipfelrückens bieten sich besonders schöne Weitblicke über die wilde Bergwelt des Valle Onsernone und des Centovalli.
Literatur Nr. 0306
Cavigliano — Seghellina • TI

Literatur

Der Ausgang des Tals ist verschüttet. Das Unwetter tobt, bald wird es wohlmöglich die Hänge ins Rutschen versetzten. Herr Geiser weiss um die drohende Katastrophe. Verzweifelt sucht er, das Wissen der Menschheit zu retten. Auf Zettel schreibt er, was es nicht zu vergessen gilt. Ein letzter verzweifelter Ausbruch führt ihn über den Passo della Garina, doch dann kehrt Geiser zurück. Unfassbar und zugleich verschwindend klein ist die menschliche Existenz vor der Urgewalt der Natur. Kleiner noch das individuelle Sein. Im tief eingeschnittenen, von der Welt vergessenen Onsernonetal hat Max Frisch sein Refugium gefunden. Dem Tal ein Denkmal gesetzt hat er in dem 1979 erstmals erschienenen schmalen Band «Der Mensch erscheint im Holozän» mit Herrn Geiser als Hauptfigur. Frischs Asche hat der Talwind durchs Tal getragen. Beim Dorfeingang von Berzona, an der Aussenmauer des Friedhofs, erinnert eine Gedenktafel an den grossen Schweizer Schriftsteller. Steil steigt der Wanderweg zunächst hinauf Richtung Nebi und Gerbi. Bei der Kreuzung geht es links über den sonnenexponierten Hang nach Ronconaia und hinab nach Cresmino. Auf dem alten Talweg läuft es sich bequem nach Auressio. Liegt noch kein Schnee, lockt der Weg über Mulegn zu den literarischen Fluchtspuren von Geiser. Nicht empfehlenswert ist die scharfe Kurve zwischen Auressio und Loco auf der engen Fahrstrasse. Variante: Von Auressio mit dem Postauto nach Berzona, von dort an der Gedenktafel vorbei durchs Dorf und zurück in den Hauptort Loco. Gegen 14 Uhr verabschiedet sich die winterliche Sonne aus dem Tal.

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Tessin Tessin Bergwanderung Sommer für Familien hoch T2

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