Über die Krete des Fringelibergs
Bärschwil liegt in einem Talkessel südlich von Laufen und nördlich eines Ausläufers des Kantons Jura. Rundherum liegen sanfte, bewaldete Hügel, die im Herbst feurig leuchten. Einer davon ist der Fringeliberg, auf den diese Wanderung führt. 1557 wurde der Gebirgszug von einem Solothurner Stadtbürger namens Andreas Fringeli gekauft und trägt im Volksmund seither seinen Namen. Noch heute sind Fringelis in Bärschwil wohnhaft und heimatberechtigt. Rasch ist das kleine Solothurner Dorf verlassen, und über eine Kuhweide geht es an Bützi vorbei aufwärts. Es folgt ein steiler Anstieg durch den Wald. Hier ist Vorsicht geboten: Unter dem Falllaub kann es nass und rutschig sein, zudem ist das Gelände uneben. Trittsicherheit und gutes Schuhwerk sind gefragt. Zwischen den bunten Baumkronen ragen rechterhand senkrechte Kalkfelsen in die Höhe. Schliesslich bricht der Weg aus dem Wald heraus. Nun braucht es etwas Orientierung, da sich die Wegspur im Gras verliert. Folgt man der Signalisation, führt der Wanderweg geradewegs über die Wiese zum Weiler Vögeli. Auf einem Mergelweg wandert man mit Blick auf die Roti Flue gemächlich den Hang hinauf. Schliesslich biegt der Wanderweg links ab und führt auf den Rechtenberg, einen Abschnitt des Fringelibergs. Oben wartet ein hübscher Picknickplatz beim Naturfreundehaus. Danach wandert man auf der Krete weiter. Weisses Gestein blitzt zwischen roten Buchenblättern hervor. Auch hier besteht im Herbst Rutsch- und Stolpergefahr. Man ist fast allein unterwegs und geniesst fantastische Ausblicke auf das Schwarzbubenland, den Schwarzwald, die Vogesen und das Val Terbi. Nach einiger Zeit biegt der Wanderweg links Richtung Ober Fringeli ab. Von da gehts steil abwärts – erst durch Wald, dann über Landwirtschaftsland, vorbei am Haselhof, und schon bald ist man wieder mitten in Bärschwil.
Um einen Namen kommt man auf dieser Herbstwanderung nicht herum: Fringeli. Man begegnet ihm zum ersten Mal beim Bauernhof Vögeli. Auf einem hölzernen Schild steht dort: «Hof Vögeli, Fam. Fringeli». Beim späteren Abstieg wandert man dann am Hof Ober Fringeli vorbei. Und alle Einheimischen sprechen vom Fringeliberg, auch wenn dieser Begriff auf der Karte nicht existiert. Es ist ein einsamer, nach Norden hin schroff abfallender Gebirgszug, der immer wieder fantastische Ausblicke über die sanften Hügel des Juras bietet, bis hin zum Schwarzwald und zu den Vogesen. Über seine Krete führt diese Wanderung.
1557 verkaufte ein gewisser Benedikt Karli den Berg an den Solothurner Stadtbürger Andreas Fringeli, berichtet der Historiker und Autor von «Leben am Fringeliberg», Simon Lutz. Seither trägt die Bergkette, die vom Welschgätterli bis nach Delémont reicht, den Namen Fringeli. Doch am höchsten Punkt, bei 947 m ü. M., heisst ein Abschnitt auf der Landeskarte nach wie vor Karlisberg – eine Erinnerung an die einstige Besitztümerschaft.
Fringelis Nachfahren sind heute noch in Bärschwil wohnhaft und heimatberechtigt. Zu Bekanntheit hat es vor allem einer geschafft: der Mundartdichter Albin Fringeli. Er wurde 1899 auf dem Stürmenhof zwischen Bärschwil und Laufen geboren und schrieb in seinen Werken viel über die Themen Heimat und Natur. 1923 gründet er das Jahrbuch «Dr. Schwarzbueb», das immer noch herausgegeben wird, wie Simon Lutz berichtet – übrigens mütterlicherseits selbst ein Fringeli.
Land unter Wasser
Es ist eine faszinierende Vorstellung: Vor Millionen von Jahren befand sich hier ein flaches tropisches Meer, und die vielfältigen Gesteine der Gegend waren einst Korallenriffe, Lagunen und Flachmeerablagerungen. Zwischen den Bauernhöfen Vögeli und Misteli befindet sich ein rund 100 Meter breiter, steiler Abhang, in dem noch heute Versteinerungen von Seeigeln, Seelilien und Korallen zum Vorschein kommen und vom einstigen Jurameer zeugen.
Pause auf der Sprachgrenze
Ein hübscher Picknickplatz mit Feuerstelle, Sitzbänken und einem Spielplatz lädt beim unbewirteten Naturfreundehaus Chalet du Retemberg zum Pausieren ein – direkt auf der Sprachgrenze zwischen den Kantonen Solothurn und Jura. Das war nicht immer so: Das Val Terbi gehörte bis zu Napoleons Feldzügen zum Fürstbistum Basel. 1815 wurde es dann dem Kanton Bern zugeschlagen, und seit 1979 ist es Teil des Kantons Jura.
retemberg.ch
Gefaltete Landschaft
Zu Teilen folgt die Wanderung der geologischen Wanderung Bärschwil, die spannende Einblicke in die Entstehung und Zusammensetzung des Faltenjuras gibt. Unterwegs begegnet man 5 von 15 Standorten mit Informationstafeln, die mehr über die Geologie des Talkessels verraten.